
Der Abspielkopf stockt kurz, während ich mich durch die Aufnahmen vom Strandurlaub scrubbe, denn H.265-Material macht das gerne, dieses kleine Ruckeln beim schnellen Durchspulen. Dann bleibt das Bild hängen, und auf einmal ist alles nur noch weiß, kein Himmel, kein Sand, nur gleißendes Licht. Willkommen zurück beim iPhone-HDR-Problem, mit dem ich als Final-Cut-Anfängerin für diesen Eintrag im Schnitt-Tagebuch schon die dritte Session kämpfe, obwohl ich dachte, das wäre mit ein bisschen Farbkorrektur erledigt.
Mein iPhone nimmt die Clips in HDR auf, am Handy-Display sehen die brillant aus. Sobald der gleiche Clip in meiner Final-Cut-Mediathek landet, kippt irgendetwas um, und aus dem Urlaubsfoto wird eine Lichtexplosion.
Okay, das war heute echt frustrierend. Eine Stunde lang hab ich an den Belichtungsreglern in der Farbtafel gezogen, Schatten runter, Lichter runter, in der Hoffnung, dass sich das Bild irgendwann normalisiert. Am Ende sah es nur noch grau und matschig aus, nie so, wie der Strand tatsächlich ausgesehen hat.
Woher kommt die Überbelichtung bei iPhone-HDR-Clips überhaupt?
Der Grund liegt offenbar nicht an der Belichtung selbst, sondern daran, wie meine Mediathek mit dem HDR-Signal umgeht: falscher Farbraum, und die Helligkeitswerte drehen durch. Mehr technisches Vokabular wollte ich eigentlich nicht lernen. Der Fachbegriff dafür, falls es wen interessiert: HLG.

Seit Montag klemmt's an genau dieser Stelle, und die Geduld wird spürbar kürzer. Jeder Clip vom Urlaub sieht gleich aus: ausgebrannt, ohne Zeichnung in den hellen Bereichen.
Ein Bibliotheksbuch, das nicht half
Also bin ich extra in die Bücherei und hab mir einen dicken Ratgeber zur Videobearbeitung ausgeliehen. Allgemein für alle möglichen Programme, für keins richtig, und zu HDR: kein einziges Wort. Ich hab dann mit Viorica telefoniert, die zur gleichen Zeit wie ich mit Final Cut anfängt, und ihr vorgejammert, was für ein Farbraum-Dschungel das gerade ist. Sie hat mich sofort gebremst, da ihr alles zu technisch klang, und ob ich nicht einfach zeigen kann, was funktioniert, statt zu erklären, warum.
Wer schon mal versucht hat, Farben zwischen verschiedenen Kameras anzugleichen, weiß, dass HDR nochmal eine andere Hausnummer ist. Zwischendurch bin ich raus, eine Runde übers Tempelhofer Feld, nur um den Kopf freizubekommen, bevor es zurück an den Rechner ging.
HDR-Tools bringt endlich die Wende
Zurück am Schreibtisch hab ich einen Effekt gefunden, den ich vorher komplett übersehen hatte: HDR-Tools. Draufgezogen auf den Clip, im Dropdown-Menü stand plötzlich eine Option namens "HLG zu Rec. 709", angeklickt, fertig.

Der Himmel hatte wieder Wolken, der Sand war nicht mehr nur eine weiße Fläche, sondern hatte Struktur. Genau genommen ist das schon ein Stück Farbkorrektur, aber die ganze Tiefe dazu heb ich mir für einen anderen Eintrag auf, sonst wird das hier ein Roman.
Ich hab danach probeweise einen Clip auf der Timeline gekürzt, nur ein paar Sekunden, und er sitzt einfach: kein Sprung, keine Verfärbung, die Wolken bleiben, wo sie waren. Genau dieses Schneiden und Kürzen mit dem Auswahl-Werkzeug, das ich vor ein paar Wochen gelernt hab, fühlte sich zum ersten Mal nach echtem Schnitt an und nicht nach Kampf gegen die Technik.
Umschalten auf SDR — und durchatmen
Der andere Weg wäre gewesen, die komplette Mediathek auf den erweiterten HDR-Modus umzustellen. Für ein privates Reisevideo ist das mit Kanonen auf Spatzen geschossen, vor allem weil es beim Export auf einem normalen Laptop sowieso wieder kippt. Ich bleibe jetzt bei der Standard-Einstellung und lass Final Cut die Helligkeit beim Import automatisch passend umrechnen.
Nebenbei ist mir aufgefallen, wie groß diese HDR-Dateien eigentlich sind, und der Mac mini kommt beim Rendern ins Schwitzen. Proxy-Medien wären da die Lösung, aber das ist nochmal ein eigenes Thema für einen anderen Abend. Wer die gleichen Probleme hat, kann sich anschauen, wie man die Final Cut Mediathek auf eine externe Festplatte auslagert, damit der Rechner nicht ständig am Limit läuft.
Vier Wochen sind es jetzt her, seit ich zum ersten Mal überhaupt eine Timeline in Final Cut geöffnet habe. Der Clip von heute war der erste, bei dem sich das Programm nicht wie ein Gegner angefühlt hat. Was hängen bleibt: Wenn ein Video am Handy strahlt und in Final Cut explodiert, ist fast nie die Belichtung das Problem, sondern der Farbraum der Mediathek. Genau da schau ich künftig zuerst nach, bevor ich überhaupt einen Regler anfasse.
Antonia hat mir aus Wien mal wieder Fotos geschickt, diesmal von einer Küste irgendwo in Rumänien, und natürlich will sie jetzt auch das Strandvideo sehen. Vorher müssen noch die Export-Einstellungen für die richtige Plattform stimmen, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Für heute reicht's: Die Augen brennen noch ein bisschen, aber der Viewer zeigt endlich das, was ich am Strand tatsächlich gesehen habe.