SchnittTagebuch

Intelligente Sammlungen in Final Cut Pro nutzen für eine sortierte Mediathek

Einen Clip in einer Mediathek voller Dateinamen von DSC_001 bis DSC_400 zu finden, der drei Sekunden lang ist, ohne jede Datei einzeln zu prüfen: An dieser Frage bin ich in meinem Videoschnitt-Tagebuch hängen geblieben. Es geht um Mediathek-Ordnung, um einen Workflow, der nicht bei jedem Import von vorn beginnt, und um einen FCP-Tipp, der mir viel Scrollen erspart.

Die kurze Antwort: mit einer Intelligenten Sammlung. Sie filtert die Mediathek nach technischen Kriterien wie Medienart, Format, Bildrate oder Kameraname, und Clips, die zu den Regeln passen, landen dort automatisch. Für alles, was ein Rechner nicht wissen kann (welcher Clip nach Lissabon gehört, welcher zur Familienfeier), bleiben handgesetzte Schlagworte zuständig. Wer beide Aufgaben trennt, spart sich das meiste Suchen.

Okay, das war heute echt frustrierend: Irgendwo in dieser Liste steckte die gelbe Straßenbahn aus Lissabon, und ich fand sie nicht. Als Lektorin lebe ich davon, Struktur in fremde Manuskripte zu bringen. In meiner eigenen Mediathek kam ich mir vor wie eine Praktikantin, die am ersten Tag den Aktenstapel umgeworfen hat.

Manuelles Labeln kostet bei jedem Import dieselbe Arbeit

Meine erste Lösung waren Schlagwortsammlungen, angelegt wie kleine Ordner in einem Archiv. Nach jedem Import von der SD-Karte musste ich jeden Clip sichten, beschriften und verschieben. Das ist, als würde ich jedes Wort im Text einzeln mit dem Rotstift markieren, statt einmal Suchen und Ersetzen zu benutzen.

Einmal saß ich eine volle Stunde an einer einzigen Frage: Welche Clips haben keinen Ton? Die wollte ich als B-Roll für Lissabon nutzen, ohne mein eigenes Schnaufen im Hintergrund. Scrollen war die falsche Methode. Fast hätte ich die .fcpbundle-Datei gelöscht und von vorn angefangen.

Auch der Umweg über Automatik hat nicht funktioniert. Die automatischen Filmvorschläge in iMovie habe ich einmal einfach angenommen und dabei gemerkt, dass ich keine Kontrolle hatte. Bei Intelligenten Sammlungen ist es umgekehrt: Die Regeln schreibe ich selbst, das Programm wendet sie nur an.

Mediathek-Ordnung in Final Cut Pro: Nahaufnahme einer Hand am Computer beim Einstellen einer intelligenten Sammlung

Was leistet eine Intelligente Sammlung für die Mediathek-Ordnung?

Sie basiert auf Metadaten. Das sind die unsichtbaren Informationen, die jede Kamera in die Datei schreibt: Datum, Bildrate, Kameraname.

Wichtig ist der Unterschied zum Ordner. Landet ein Clip in einer Intelligenten Sammlung, wird er nicht dupliziert. Er bleibt an seinem Platz in der Mediathek und erscheint nur durch den Filter. Wie der Index am Ende eines Buchs: Das Wort steht im Text, der Index verrät bloß, auf welchen Seiten.

Axel Renneberg (gleiches Apple-Support-Forum, schneidet Familienvideos, besitzt mehr externe Festplatten als Sockenpaare) wollte wissen, ob so eine Sammlung Speicherplatz kostet. Nein. Es gibt keine zweite Kopie, nur eine zweite Ansicht auf denselben Clip.

Ebenso lässt sich die Qualität filtern. Liegen Clips in Apple ProRes 422 mit 10-Bit Farbtiefe vor, zeigt eine passende Sammlung nur diese Dateien. Das hilft später, wenn die Farben in Videos angepasst werden sollen: Ich sehe sofort, welches Material den meisten Spielraum bietet.

So baust du die erste Regel: Lupe, Plus, Kriterien

In der Mediathek oben rechts auf die Lupe klicken, dann auf das kleine Plus-Zeichen. Dort lassen sich Regeln hinzufügen. Für den Anfang taugen 'Format' oder 'Bildrate', weil man sofort sieht, wie sich die Clips nach der Regel sortieren.

Zwei Bedingungen hatte meine erste eigene Regel: 'Medienart ist Video' und 'Benutzte Medien sind nicht vorhanden', dazu eine Regel für das Format, damit nur 4K-Material übrig blieb. Plopp. 42 Clips, die ich völlig vergessen hatte. Darunter, man glaubt es kaum, die gelbe Straßenbahn.

Sie war in 4K gefilmt und tauchte deshalb in meiner manuellen Liste der Handy-Videos nie auf. Seitdem prüfe ich vor jedem Projekt zuerst diese Sammlung: Was habe ich gedreht und noch nirgends verwendet?

Filter, die ich ständig wiederverwende

Kameraname ist der Klassiker. Ich filme oft mit zwei verschiedenen Kameras, früher ein Albtraum. Final Cut Pro erkennt automatisch, welcher Clip von welcher Kamera kommt, und ich muss dafür kein Schlagwort mehr tippen. Dahinter steckt dasselbe Prinzip wie beim Ziel, meinen Videoschnitt Workflow zu verbessern: weniger von Hand erledigen, mehr dem Programm überlassen.

Die Bildrate als zweiter Filter: eine Sammlung für alle Clips mit 60fps, also die Kandidaten für Zeitlupe. Was man daraus macht, ist ein eigenes Thema.

Für die Schlusskorrektur baue ich mir eine Sammlung, die nur Clips ohne zugewiesene Rolle zeigt. Seit ich Audio Rollen in Final Cut Pro nutze, ist das meine Checkliste: Taucht ein Clip dort auf, fehlt ihm noch etwas.

Wo die Grenze liegt: Sammlungen ersetzen keine Schlagworte

Ein naheliegender Fehlgriff: alle manuellen Schlagwortsammlungen löschen und nur noch auf Filter setzen. Das geht schief, weil Regeln starr sind. Steht in einer Sammlung 'Lissabon' der Dateiname als Kriterium und eine Datei ist falsch benannt, taucht sie dort nie auf.

Manuelle Schlagworte sind wie Randnotizen am Manuskript. Sie tragen den Kontext, den ein Rechner nicht versteht. Wie man sie sauber setzt, ist ein eigenes Thema. Hier reicht die Faustregel: Lässt sich die Frage aus den Kameradaten beantworten (Format, Bildrate, Kamera, benutzt oder nicht), baue ich eine Regel. Braucht die Frage mein Wissen (Ort, Anlass, Person), setze ich ein Schlagwort von Hand.

Jemand aus meinem Bekanntenkreis, der im Clärchens Ballhaus Lindy Hop tanzt, fragte mich auf dem Weg zur Markthalle Neun, ob sich Videos einfach nach Tänzen sortieren lassen. Meine Antwort: Für Tänze braucht es Schlagworte, für 60fps reicht eine Regel. Wie im Lektorat findet die Rechtschreibprüfung die Fehler, den Stil beurteile ich selbst.

Sonntagabend, der Tee ist längst kalt, und der Eintrag für das Tagebuch ist fast fertig. Die gelbe Straßenbahn finde ich inzwischen mit zwei Klicks. Als der Mac mini zuletzt ein Projekt renderte, blieb er still, das Video war fertig, und ich hatte in der ganzen Zeit kein einziges Mal in der Mediathek gesucht.

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