SchnittTagebuch

Projekt duplizieren in Final Cut Pro für verschiedene Video Schnittfassungen

Zwei Projekte mit fast demselben Namen in meiner Final-Cut-Mediathek, nur eins davon trägt hinten die Endung "_Reel". So sieht es bei mir inzwischen aus, sobald ein Video mehrere Schnittfassungen braucht — eine lange Version fürs Archiv, eine kurze für Instagram. Die Frage, wie man ein Projekt sauber dupliziert, ohne das Original zu gefährden, bekomme ich in meinem Videoschnitt-Tagebuch mittlerweile öfter gestellt als fast jede andere zum Thema Projektmanagement in Final Cut. Ich schneide seit gut einem Jahr regelmäßig, keine Filmausbildung, und genau deshalb kenne ich jede Anfängerfalle aus erster Hand.

Die kurze Antwort: Zwei Menüpunkte machen fast das Gleiche, aber eben nicht ganz — ein Unterschied, der Anfängern schnell zum Verhängnis wird, wenn man ihn nicht kennt. "Projekt duplizieren" behält im Hintergrund Verknüpfungen zu bestimmten Elementen, "Projekt als Schnappschuss duplizieren" kappt sie komplett. Für verschiedene Schnittfassungen desselben Rohmaterials ist Letzteres fast immer die bessere Wahl. Das ist die Regel, an die ich mich seitdem halte.

Duplizieren oder Schnappschuss – wo ist der Unterschied?

Der Befehl dahinter heißt Command-D, kurz und unspektakulär. Ein Klick, und die Kopie liegt in der Mediathek, meistens mit einer angehängten Zahl im Namen. Was viele Anfänger nicht wissen: Bestimmte Bausteine im Projekt, vor allem sogenannte Compound Clips, bleiben dabei mit dem Original verbunden. Änderst du so einen Baustein in der Kopie, ändert sich das Original mit, auch wenn du es gar nicht angefasst hast.

Final Cut Pro Menü mit der Option Projekt als Schnappschuss duplizieren für separate Schnittfassungen

Shift-Command-D macht etwas anderes. Der Menüpunkt heißt "Projekt als Schnappschuss duplizieren", und er friert den kompletten Zustand ein. Jede Verknüpfung zu Compound Clips wird gekappt, jede Fassung steht für sich. Baust du also die kurze Instagram-Version aus einem langen Schnitt, ist der Schnappschuss die Variante, die dich vor bösen Überraschungen schützt.

Was mit Compound Clips beim Duplizieren passiert

Eine Bekannte aus meinem Umfeld, die gerade einen Töpferkurs in der Keramikwerkstatt in Prenzlauer Berg macht, hat mich neulich genau danach gefragt. Sie wollte ein Übungsvideo einmal lang für sich behalten und einmal kurz für Instagram schneiden, ohne die Aufnahmen doppelt in der Mediathek liegen zu haben. Gerade wenn man vertikale Videos für Instagram Reels in Final Cut Pro erstellen und anpassen will, taucht diese Frage fast automatisch auf. Meine Antwort: Schnappschuss statt normales Duplikat, sobald ein Titel-Effekt, eine Grafik oder ein zusammengefügter Clip im Spiel ist. Genau dieser Punkt hat auch mich am Anfang erwischt, als ich einen Titel-Baustein in einer Kopie geändert und im Original plötzlich denselben veränderten Titel gefunden habe.

Ich war kurz davor, die Software komplett zu wechseln, bevor ich dieses System verstanden hatte. Adobe Premiere Pro hatte ich eine Woche lang ausprobiert und dann wieder aufgegeben, zu viele Fenster für einen Kopf, der eigentlich fürs Korrekturlesen trainiert ist und nicht fürs Video-Multitasking. Am Ende bin ich bei Final Cut geblieben und musste eben lernen, wie das Programm mit Duplikaten wirklich umgeht.

Bleiben Farbkorrektur, Ton und Keyframes erhalten?

Ja, und das beruhigt die meisten, die mich das fragen. Farbkorrektur, Audiopegel, Rauschunterdrückung bei der Stimme, manuelle Keyframes, Einstellungsebenen und alle vergebenen Schlagwörter wandern unverändert in beide Varianten, egal ob Duplikat oder Schnappschuss. Die Kopie startet nicht bei null, sie startet exakt dort, wo du stehen geblieben bist.

Auch Zeitlupen- und Speed-Ramping-Effekte bleiben erhalten. Die Zeitlupe von der kleinen Kaskade im Volkspark Friedrichshain lief beim ersten Abspielen so glatt durch, dass ich mir den Clip gleich dreimal hintereinander angesehen habe, bevor ich überhaupt weitergearbeitet habe. Genau dieser Effekt ist in jeder Schnappschuss-Version danach genauso da wie im Original, ohne dass ich ihn neu setzen musste.

Mediathek, Proxys und Speicherplatz im Blick behalten

Anders sieht es bei der Mediathek selbst aus. Jedes Duplikat und jeder Schnappschuss bläht die Mediathek auf, auch wenn die eigentlichen Videodateien nicht mehrfach gespeichert werden. Die Proxy-Medien werden dabei nicht neu erzeugt, beide Projektversionen greifen auf dieselben Proxys zu, was Speicherplatz spart, aber Final Cut trotzdem zum Nachrechnen im Hintergrund bringt. Wer mit vielen Fassungen gleichzeitig arbeitet, kommt um das Thema Hintergrund-Rendering in Final Cut Pro ausschalten irgendwann nicht herum, sonst wird der Mac mini spürbar langsamer.

Axel Renneberg, ein Bekannter aus einem Apple-Support-Forum, der seine Familienvideos schneidet und definitiv mehr externe Festplatten besitzt als Sockenpaare, hat mir mal gezeigt, wie er für jede Schnittfassung ein eigenes Backup auf einer eigenen Platte anlegt. Der Tipp, den ich seitdem weitergebe: Final Cut Mediathek auf eine externe Festplatte auslagert — das entlastet den Mac mini und macht das ganze System mit vielen Duplikaten und Schnappschüssen deutlich stabiler.

Timeline-Ansicht in Final Cut Pro auf einem Mac mini beim Arbeiten mit mehreren Projekt-Duplikaten

Man merkt beim Verschieben sofort, wenn ein Clip in der magnetischen Timeline einrastet, ein trockenes, hartes Klicken, kein Wischgeräusch. Genau diese Anordnung bleibt beim Duplizieren exakt gleich, weil die komplette Struktur mitkopiert wird und kein Clip seinen Platz verliert.

Wann sich das normale Duplizieren für Anfänger trotzdem lohnt

Nicht jede Kopie muss ein Schnappschuss sein. Brauche ich nur eine kleine Variante, in der sich nichts an Compound Clips oder Titeln ändert, reicht das normale Duplikat locker aus. Will ich nur den Bildausschnitt fürs Hochformat anpassen und ein paar Übergänge zwischen zwei Szenen anders timen, ohne an einer anderen Stelle einen harten Schnitt zu setzen, spart das normale Duplikat einfach Zeit.

Die Exporteinstellungen selbst werden dabei übrigens nie mitkopiert, egal welchen Weg man wählt. Jede Fassung braucht ihr eigenes Ziel, ihre eigene Auflösung, ihren eigenen Namen beim Teilen. Das vergisst man am Anfang gerne, und dann liegt die Instagram-Version plötzlich im falschen Seitenverhältnis da.

Mein Ablagesystem für mehrere Schnittfassungen

Mein System ist simpel: Der Rohschnitt bekommt einen Schnappschuss, sobald die grobe Struktur steht. Jede weitere Fassung, lang, kurz, fürs Archiv, für Instagram, bekommt einen eigenen Namen mit Stichwort dahinter, nie nur eine angehängte Zahl. Okay, das war in der Umstellung anfangs echt frustrierend, weil ich zwischen mehreren ähnlich benannten Schnappschüssen komplett den Überblick verloren hatte.

Seitdem gilt bei mir eine feste Regel: kein Schnappschuss ohne aussagekräftigen Namen, sonst ist die halbe Übersicht dahin, sobald ein drittes oder viertes Projekt dazukommt. Wer gerade erst anfängt, mit mehreren Schnittfassungen zu jonglieren, sollte sich dieses eine Prinzip merken: nicht der Duplizieren-Befehl entscheidet über Sicherheit, sondern welchen der beiden Menüpunkte man dafür nutzt.

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